Samstag, 7. September 2013

Im Herzen Südamerikas



Was machen Andi und Annika so in Bolivien?

Andi: Nach der anstrengenden Salar-Tour und dem Abschied von Beate, wollten wir eine kurze Pause einlegen. Wir fanden ein sehr schönes Hostel in Cochabamba und genossen die Sonne in den Liegestühlen, den großen Garten, das Abendessen, das vom Besitzer Alex jeden Abend gekocht wurde, und als Highlight die Sauna, die ebenfalls dem Besitzer gehört.
Man glaubt ja gar nicht, wie schnell man faul wird, und so blieben wir schlussendlich 6 Tage dort.

Sehr schön beim Reisen sind die verschiedenen Menschen um einen herum.
Wann spielt man sonst schon mit einem Australier, einem Franzosen, einem US-Amerikaner und einem bolivianischen Hund Football? :)


Villa Tunari

So sehr wir auch das Chillen genossen, irgendwann mussten wir dann doch wieder etwas „Sinnvolles“ tun und so entschlossen wir uns nach Villa Tunari aufzubrechen, eine kleine Stadt am Fuße der Anden im Dschungel – unsere Lieblingslandschaft in Südamerika.

Blick auf Villa Tunari

Man sieht und hört die vielen Dschungelvögel, wie z.B. Papageien oder Oropendulas, die wir schon von Ecuador kennen und schätzen.
Auf einer Tierauswilderungsstation gleich neben dem Dorf kann man viele Affen und andere Dschungeltiere sehen. Dank dem unmotivierten Personal, sowie den verwirrenden, falschen Karten verliefen wir uns zwei Mal und waren dann wiedermal etwas entnervt von Bolivien. :)



F'ledermaus
Zudem besuchten wir noch einen Nationalpark mit einem Guide. Bei der Wanderung konnten wir in neben dem Regenwald und einer Coca-Plantage in einigen Höhlen zwei verschiedene Fledermaus-Arten beobachten. Es war ein schöner Ausflug und unser Guide war für Bolivienverhältnisse recht gut und hat uns viel erklärt. Danach waren wir wieder etwas positiver gestimmt. Es klappt doch manchmal etwas hier in Bolivien. :)
Dieser kleine Ausflug hat uns neu motiviert und wieder Lust aufs Reisen gemacht.


La Paz

Andi beim Mirador Killi Killi
Annika: La Paz ist eine besondere Stadt. Die vielen Häuser, die dicht aneinander gedrängt in den Talkessel gebaut wurden, sehen wirklich spektakulär aus. La Paz ist nicht nur groß, laut und dreckig, wie viele vielleicht sagen würden. Andi und ich genossen La Paz! Wir schlenderten auf dem Markt herum, kauften einige praktische Dinge, holten Erkundungen über mögliche Touren im Dschungel und zu anderen Sehenswürdigkeiten ein und genossen den Luxus von unbolivianischem Essen, wie z.B. Rösti oder Käsefondue (zu Andis Geburtstag).

Marktfrauen in La Paz
La Paz hat vielleicht nicht so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber ganz La Paz selbst ist eine Sehenswürdigkeit. Man trifft hier moderne Bolivianer genauso wie traditionell Gekleidete. Für alles scheint es hier eine eigene Einkaufsstraße zu geben: Wenn man z.B. Kleidung oder Technisches braucht, so muss man einfach in die jeweilige Straße gehen, die Andi und ich dann z.B. „Kabelstraße“ nannten. Die Einheimischen geben gerne Auskunft darüber, in welcher Straße man welche Dinge findet.


Am ersten Sonntag im September gibt es in La Paz den „Fußgänger-Tag“. Nur ganz wenige Fahrzeuge dürfen an diesem Tag in der Stadt fahren. Andi und ich hatten das Glück, diesen Tag erleben zu dürfen. Die Leute feierten auf den Straßen, ansonsten war es in La Paz ungewöhnlich ruhig, keine Hupen, keine lärmende Motoren,… Ja, wir mögen La Paz, aber wir möchten noch mehr von Bolivien sehen!


Isla del Sol im Titicaca-See

Isla del Sol

Inka-Ruinen
Der auf knapp 4000 Meter gelegene Titicaca-See ist etwa 14 Mal so groß wie der Bodensee.
Auf der Isla del Sol (Sonneninsel), die von den Inkas als Geburtsort der Sonne verehrt wird, kann man einige Inkaruinen besichtigen (sofern man sie findet; es gibt keine Hinweisschilder) und staunen, wie ursprünglich, einfach und traditionell die Leute auf der Insel noch leben. Ohne Autos, ohne Heizungen, ohne ärztliche Versorgung und ohne moderne Geräte.
Was uns besonders gefallen hat, ist die Ruhe auf der Insel. Es fällt richtig auf, dass es hier keinen Verkehrslärm gibt!

Wir übernachteten eine Nacht auf der Insel. An Andis Geburtstag wanderten wir auf einem Höhenweg vom Norden in den Süden der Insel. Der wunderbare Blick auf den tiefblauen Titicaca-See, der in der Sonne glitzert, die Abhänge mit den vielen Terrassen, die die Inka angelegt haben und die die Einwohner heute landwirtschaftlich nutzen, und in der Ferne die schneebedeckten Sechstausender, an denen sich die Wolken auftürmen. Echt schön!



Mysterium Tiwanaku

Andi: Die bekannteste Ruinenstätte Boliviens sind die versunkenen Tempel der Tiwanaku. Eine Kultur, die noch vor den Inkas das Gebiet beherrschte.
Sie hatten nahe des Titicaca-Sees ihr gesellschaftliches und religiöses Zentrum.
Man kann hier noch einige Bauten bewundern, welche noch sehr gut die gewaltigen Ausmaße der Pyramiden und Kultstätten wiedergeben.

Es ist faszinierend wie dieses Volk gewaltige, dutzende Tonnen schwere Steine bewegte und bearbeitete. Leider wurde die Stätte aber jahrelang ausgeschlachtet und Steine wurden bis ins 20. Jahrhundert als Baumaterial entwendet.
Ganz Bolivientypisch ist auch dieser Kulturschatz (übrigens auch UNESCO Weltkulturerbe) sehr schlecht aufbereitet und beschrieben.
Man erfährt nichts von den Hintergründen oder Jahreszahlen und oft steht auf Hinweistafeln nur „Hier können sie Steine mit feinen Ornamenten sehen“, also genau das, was man sowieso sieht. Bolivien eben. Die Tempelanlagen der Tiwanaku waren dennoch beeindruckend und interessant. 

 
Weitere Fotos gibt es in unserem Album: hier klicken

Malen mit der kleinen Luz

Sonntag, 1. September 2013

How many miles ahead?

In Kanda unterwegs
Annika: Natürlich schreiben wir viel über unsere Erlebnisse in den jeweiligen Ländern. Doch ein großer Teil des Reisens ist „das Fortbewegen“ selbst. Wie kommen wir eigentlich von A nach B? Was für Gedanken machen wir uns über das Reisen? Während wir in Nordamerika noch den Luxus eines Wohnmobils oder Mietwagens genossen, oft selbst kochten und selbst unser Tempo bestimmen konnten, sind wir in Südamerika ganz auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.

Cochabamba, Bolivien


Monument Valley, USA


















Busfahren in Südamerika
Ich erwähnte ja bereits, dass Busfahren in Südamerika eigentlich einen eigenen Blogeintrag verdienen würde. Ich denke da zum Beispiel an die Busbahnhöfe, auf denen brüllende Personen die verschiedenen Busunternehmen anpreisen. Man entscheidet sich schließlich für das Unternehmen, das am besten aussieht, wo die Schlange am längsten ist, oder für das, dessen Schreier am hartnäckigsten sind.

Andi in der Warteschlange beim Busbahnhof in Quito
Wenn man das Gepäck im Gepäckfach außen verstaut oder es mit aller Gewalt ins Gepäckfach oberhalb des Sitzes gestopft hat, weil man da besser darauf aufpassen kann, rollt der Bus meist gemächlich durch den Ort, um noch mehr Fahrgäste zu finden. Aus diesem Grund fährt der Bus mit offener Tür und der Busfahrer-Gehilfe schreit aus der Türe hängend die Destination auf die Straße. Wir hoffen und beten immer, dass wir einen guten Busfahrer erwischen.


Während den Busfahrten muss man spanische Schlager hören oder ist gezwungen sich gewalttätige Filme anzusehen.
Das Beste an diesen Busfahrten sind neben der Landschaft die vielen Straßenverkäufer, die irgendwo einsteigen, ihre Ware anpreisen und das alles für 50 Cent oder einen Dollar verkaufen (in Ecuador). Es gibt Empanadas, Saltenas, Papas fritas, gebrannte Mandeln, Eis, Früchte oder Fruchtsalat, Kaugummis, Getränke, und vieles mehr. Die erste Skepsis gegenüber diesen Köstlichkeiten verliert man schnell.


Essen
Essen in einem Motel in den USA
Ja, das österreichische Essen vermissen wir wirklich! In Kanada kochten wir hauptsächlich selbst und in den USA genossen wir die Vielfalt an Fastfood-Ketten und Restaurants. In Ecuador haben wir Spezialitäten wie Meerschweinchen und köstliches Schweinefleisch vom Markt probiert, sowie ab und zu in einem teureren Restaurant gegessen. Die Bevölkerung aber scheint sich fast ausschließlich von Reis (ohne Sauce!) mit Hühnchen zu ernähren, sogar zum Frühstück gibt es Reis.



Spanisch
Feilschen auf dem Markt in Otavalo, Ecuador
Andi und ich haben versucht, so viel Spanisch wie möglich zu lernen. Wir haben gelernt, kleine Unterhaltungen zu führen und können mittlerweile schon recht viel verstehen. Natürlich unterlaufen uns immer wieder kleine Fehler.

Als wir nachts beim Busterminal in Quito ankamen, und ein Hostel für die Nacht suchten, sagte Andi irrtümlich zum Taxifahrer „no lento“ (nicht langsam) anstatt „no lejos“ (nicht weit weg). Also raste der Taxifahrer zum nächsten Hostel.

Auf der CIMA erzählten wir einigen Jugendlichen, dass wir im Dschungel waren, und ich erzählte ihnen, dass unser Guide Englisch sprechen konnte. An ihren sehr überraschten Gesichtern konnten wir erkennen, dass etwas nicht stimmte. Unglücklicherweise hatte ich das Wort für Guide „guia“ mit dem Wort „cui“ für Meerschweinchen verwechselt. Esteban bot uns später großzügig seine Hilfe "als Cui" an. :)


„Wir haben zu viel Gepäck!“
Diesen Satz höre ich öfters von Andi. Vor allem, wenn wir eine Strecke (zum Bus, zum nächsten Hotel, usw.) laufen müssen. Trotz der Anstrengung bin ich stets der Meinung, dass wir alles brauchen, was wir besitzen – und natürlich muss ich auch 1-2 Bücher zum Lesen haben. :)

Mittlerweile hat jeder von uns schon die individuelle Packweise entwickelt und wir können schnell und mehr oder weniger praktisch unsere Sachen packen.

Vollbepackt nach dem Markt in Ecuador


Motel in den USA


















Wie schnell man sich an bestimmte Lebensumstände gewöhnt...

Vor unserer Reise hätte ich mir nicht vorstellen können, wie „einfach“ es ist, nur aus dem Rucksack zu leben und wie schnell man sich daran gewöhnt, in den nächsten Ort zu fahren und ein Hostel zu suchen.

Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mit so wenig Kleidung auskommen würde.
Natürlich gibt es Momente, in denen man sich gerne Zuhause auf die eigene Couch legen würde. Auf so einer langen Reise ist man einerseits überall, andererseits nirgendwo zuhause. Wir sind sehr dankbar, dass wir immer wieder auf liebe Menschen treffen, mit denen wir lachen können und denen wir uns anvertrauen können.

"Altlasten" loswerden, in Kanada
Es wundert uns, wie schnell man sich an ein neues Land und dessen Besonderheiten gewöhnen kann und wie schnell man sich zurechtfindet.
Wir vergleichen unser Land, unsere Kultur und unsere Gewohnheiten mit den anderen Ländern und den Leuten und möchten von dem Privileg, reisen zu können, profitieren. Viele Dinge, die in Österreich selbstverständlich sind, lernen wir unterwegs wieder neu schätzen.



Weltreise mit Diabetes?
Viele haben mich schon gefragt, wie es eigentlich mit dem Diabetes klappt. Schon vor unserer Reise habe ich mir viele Gedanken um dieses Thema gemacht und einige "Sicherheitsvorkehrungen" getroffen. Obwohl sich unser Staat ja Sozialstaat nennt, muss ich sagen, dass ich von Seiten Krankenversicherung und Hersteller von Diabetesprodukten keine Unterstützung bekommen habe. In der Diabetes-Ambulanz FK habe ich wertvolle Tipps und Hilfestellung bekommen! 

Es ist schwierig und teuer, Insulin in anderen Ländern zu kaufen und zu erhalten (In Bolivien und Ecuador beispielsweise gibt es mein Insulin gar nicht). Ich habe aber herausgefunden, dass Insulin viel länger an Zimmertemperatur hält, als im Beipackzettel vermerkt. :) Außerdem hat meine Mama mir Insulin in die USA geschickt, das noch bis Ende Bolivien funktionstüchtig sein sollte.
Diabetes bedeutet in gewisser Maßen schon eine Einschränkung, aber selbst ich war in der Salar de Uyuni und bin auf über 4000 Meter gewandert. Auch ich war im Dschungel und auch ich probiere sämtliches fremdländisches Essen! Ständig Traumwerte auf so einer Reise zu haben ist für mich sowieso unrealistisch und ich mache alles, so gut es eben geht.

Blutzucker-Messen auf dem Vulkan
Ich verwende eine Kühltasche zur Kühlung meines Insulins. Das Kühlhalten funktioniert nicht mit Kühlakkus, sondern mit Wasser und Verdunstung.
Neben dem lästigen Messen und Spritzen, sowie dem ständigen Denken an "Ersatz-BEs", habe ich gemerkt, dass die Insulinpatronen  Druckunterschieden (Höhenunterschieden) nicht gut standhalten, und oft Insulin ausläuft. Bis jetzt habe ich aber genug Insulin!


Bei allen, die speziell in dieser Sache an mich denken und für mich beten, möchte ich mich ganz herzlich bedanken! Ja - eine Weltreise ist möglich mit Diabetes, aber man kann nicht so leben, wie zuhause... :)


4 Länder in 5 Monaten
Villa Tunari, Bolivien
Rückblickend haben wir schon sehr viel erlebt! Wir haben den Osten Kanadas ein wenig kennengelernt, die Weite dieses faszinierenden Landes gespürt und die Freundlichkeit der Kanadier erlebt. Wir bereisten die USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und ließen uns von den großen Städten, allen
voran New York, und den verschiedenen Landschaftsbildern begeistern.
Ecuador ist uns wegen vieler lieber Menschen, schönen Erlebnissen und der herrlichen Natur ans Herz gewachsen.

Nun sind wir in Bolivien und haben schon ein landschaftliches Highlight dieses Landes, die Salzwüste, sehen dürfen.

Wohin geht die Reise?

Natürlich denken wir über das Vergangene, das Erlebte und über unsere Zukunft nach. Verändern wir uns auf dieser Reise? Wie wird es sein, wieder nach Hause zu kommen? Werden wir wieder ein „normales“ Leben führen (können)? Wo ist unser Platz auf dieser Welt?








Wir leben jetzt
„Alles was jetzt gerade abläuft, passiert jetzt." - "Ja und die Vergangenheit?" - "Die ist vorbei." - "Seit wann?" - "Seit jetzt. Wir sind jetzt im Jetzt." - "Zurück in die Vergangenheit." - "Und wann?" - "Na jetzt." - "Jetzt?" - "Jetzt." - "Das geht nicht." - "Wieso nicht?" - "Es ist vorbei." - "Seit wann?" - "Seit jetzt." (Spaceballs Filmzitat)

Übernachten auf dem Flughafen in LA
Auf der Reise machen wir uns viele Gedanken zum Thema Zeit, wie wir unsere Zeit nutz(t)en, was wir erlebt haben und was wohl die Zukunft bringen wird. Solche Gedanken sind wichtig, besonders, wenn sie auf das Jetzt einen Einfluss haben.
JETZT haben wir die Möglichkeit, offen zu sein für Neues, etwas zu tun, etwas zu verändern, für andere da zu sein, neue Menschen kennenzulernen, die Natur zu genießen,...



Immer die gleiche Hand...
Beim Skypen mit meinen Eltern sagte ich eines Tages etwas frustriert, dass Reisen manchmal so schwierig ist, weil man sich immer "fremden Händen" anvertrauen muss. Mein Papa erwiderte darauf: "Es ist immer die gleiche Hand, der du dich anvertraust. Es ist Gottes Hand."
Dieser Satz hat mich bewegt und mich seitdem nicht mehr losgelassen. (Danke, Papa!)

Ottawa, Kanada
Meine Freundin Beate hat mir ein kleines Büchlein geschenkt, auf dem folgender Spruch steht:

"Und nun geh deinen Weg ohne Angst und voll Vertrauen. Dass du nicht alleine gehst, darauf kannst du bauen. Gottes guter Segen zieht mit dir ins Land und auf allen Wegen hält dich seine Hand."
(C. Bittlinger)

Sonntag, 25. August 2013

Salar de Uyuni - unsere "very special" Tour

Andi: Die Salar ist eine riesige Salzwüste (die größte der Erde) und das landschaftliche Highlight in Bolivien. Die Salzwüste und auch die ganze Landschaft weiter südlich mit den Lagunen, Vulkanen und Wüsten ist für jeden, vom Handy- bis zum Profifotografen, ein absolutes Wunderland. Eine Landschaft ist spektakulärer als die andere, mal wirkt sie wie von einem anderen Planeten, oder so farbig und schön, dass man es eigentlich zu kitschig finden würde, wenn es nicht tatsächlich so aussehen würde.

Unsere Tour beginnt...

Nachdem wir nach einer schönen Zugfahrt spät Abends in Uyuni angekommen waren, buchten wir eine Tour, die laut Anbieter "very special" werden würde.
In einem alten Toyota-Geländewagen fuhren wir morgens zur ersten Station, dem Friedhof der Züge. Zum Friedhof kann man nicht viel sagen. Alte verrostete Züge eben. Sah aber ganz cool aus, und dank der fehlenden Sicherheitsgesetze hier konnten wir nach Herzenslust auf den Zügen herumklettern.

Salar de Uyuni

Danach erreichten wir endlich die Salar. „Nur“ eine riesige weiße Fläche, aber genau das macht es so spektakulär. Man kann hier sehr witzige Fotos mit der Perspektive machen oder einfach die einzigen 2 Farben auf sich wirken lassen: Weiß und Blau. Dann fuhren wir durch das völlig flache Weiß zu unserer ersten Unterkunft am Rande der Salar, die am Fuße des Vulkans Tunupa liegt.

In der Salar wird es Nachts a...kalt! Sobald die Sonne weg ist, dringt die Kälte überall vor. Dass es hier kein einziges beheiztes Haus gibt, müssen wir vielleicht noch erwähnen. Daher verkrochen wir uns kurz nach Sonnenuntergang meist in unsere halbwegs warmen Betten.

Vulkan Tunupa
 
Am nächsten Morgen war unser Guide Omar plötzlich verschwunden. Wir fanden heraus, dass er wohl in der Nacht weggefahren sein musste. Also musste unsere Gruppe den Vulkan ohne Guide von ganz unten besteigen, während andere Gruppen ein großes Stück mit dem Auto hochfahren konnten. Wir hatten nicht genug Trinkwasser und waren sauer. Warum hatte Omar uns nicht über sein Gehen aufgeklärt und würde er wirklich wieder zurückkommen?


Annika: Wir schafften es, die Höhle, in der man alte Mumien besichtigen kann, zu erreichen, und danach noch bis zu einem Aussichtspunkt zu laufen. War unsere Stimmung wegen Omar ein wenig getrübt, so hatten wir doch wunderbares Wetter, eine gute Sicht auf den Vulkan vor uns und die Salar unter uns, die wie ein weißes Meer aussah.

Isla Incahuasi im Salzmeer

Außerdem hatten wir uns schon gut mit den anderen aus unserer Gruppe angefreundet. Ein ganz nettes Paar aus Kanada (Jean-Baptiste und Carolina) und ein fröhliches Paar aus Paris (Pierre und Floriane), die uns mit ihren Witzen, ihrer lustigen Art und ihrem starken Akzent immer wieder zum Lachen brachten.


Kurz bevor wir unsere Herberge erreichten, kam uns Omar mit dem Jeep entgegen. Etwas feindselig wollten wir ihn zur Rede stellen, doch er wich unseren Fragen aus oder wollte uns mit fadenscheinigen Erklärungen abspeisen. Die Situation artete etwas aus, als Omar Jean-Baptiste drohte, ihn in der Wüste zu lassen.

unsere Gruppe
Beim Mittagessen unterhielten wir uns über Omar und seine unsympathische Art Probleme anzugehen, konnten aber durchaus humorvoll über unsere Lage witzeln: "We don't have to survive the Salar, we have to survive Omar."
Die Eiseskälte bei Nacht, die starke Sonne bei Tag, die Höhe, die abenteuerlichen Fahrten in dem schon mitgenommenen Jeep, die einfachen Unterkünfte - all das ließ sich aushalten. Aber ein Guide, dem wir nicht vertrauen konnten?



Isla Incahuasi

Wir besuchten nachmittags die „Isla Incahuasi“, eine frühere Insel und heute eine Erhebung in der Salzwüste. Die schroffe Insel ist mit tausenden von Kakteen bedeckt. Man kann nicht nur die vielen verschiedenen Kakteen bewundern, welche bis zu 1000 Jahre alt sind und bis zu 11 Meter hoch werden können, sondern man hat auch eine wunderbare Sicht über die Salzwüste. Beate, Andi und ich hatten Spaß am Fotografieren und genossen den Ausflug.


Anschließend mussten wir uns dann von Jean-Baptiste und Caro trennen, die nur zwei Tage Zeit für die Tour hatten.
Dafür aber bekamen wir ein neues Mitglied in unsere Gruppe. Als uns Samuel aus Paris sein Alter nicht verraten wollte, drohte ich ihm, dass ich ihn für den Rest der Tour „Grandpere“ nennen würde. Diesen liebevollen Spitznamen wurde er nicht mehr los. Großzügig ertrug Grandpere unsere Witze und brachte uns oft zum Lachen.


Die zweite Nacht verbrachten wir in einem Salzhotel, welches wie viele Einrichtungsgegenstände aus Salzblöcken gefertigt ist. Scheinbar isoliert Salz gut, denn diese Nacht hatten wir es etwas wärmer als in der vergangenen Nacht.
Uns allen lag noch die schlechte Stimmung zwischen Omar und uns im Magen. Also baten wir ihn nach dem Abendessen zu einem klärenden Gespräch. Zu unserem Erstaunen entschuldigte er sich für die Unannehmlichkeiten und versicherte uns, dass er sich die nächsten zwei Tage besonders Mühe geben wollte.

Laguna Colorada
Lagunen und Flamingos

An unserem dritten Tag mussten wir wieder sehr früh aufstehen. Nach dem Frühstück ging es mit dem Jeep los. Zuerst fuhren wir in ein kleines Dorf, wo wir uns mit Klopapier, Tempos, Schokolade und Schnaps für die Nacht eindeckten. – Das braucht man, um hier zu überleben! :)

Auf dem Weg zu einem aktiven (rauchenden) Vulkan sahen wir antilopenähnliche Tiere, Vicunas genannt.
An diesem Tag waren wir erstaunt, was dieser Jeep alles aushalten konnte. Natürlich funktionierten die Anzeigen für Kilometerstand (er war bei 250000 stehengeblieben), Geschwindigkeit, Ölstand usw. schon lange nicht mehr. Wir passierten sogar eine Stelle von knapp 5000 Metern.



Wir erreichten eine Lagune, an der man 100e von Flamingos beobachten kann. Die Flamingos in der atemberaubenden Kulisse von verschiedenen schneebedeckten Vulkanen zu sehen veranlasste unseren Grandpere zu Ausrufen wie „incroyable“, „magnifique“ und „joli“. Auch wir waren ganz begeistert!

Andi: Die Flamingos, die man vor den sich im Wasser spiegelnden Vulkanen aus nächster Nähe beobachten kann, sind wirklich eindrucksvoll.
Doch bald schon mussten wir weiter, um durch die Wüste Siloli zum steinernen Baum zu gelangen.
Der starke Wind hat hier überall bizarre Felsformationen erschaffen. Eine davon (Arbol de Piedra) sieht tatsächlich wie ein Baum aus.
Unsere Fahrt führte weiter durch eine marsähnliche Wüstenlandschaft.



Dann erreichten wir die Laguna Colorada. Eine weitere Lagune, die, wie der Name schon sagt, farbig ist. Und wie farbig! Das Wasser ist wegen einer bestimmten Algenart blutrot. Ein absolutes Highlight unserer Tour. Auch hier gab es wieder Flamingos zu bestaunen, Vulkane und den immer blauen, wolkenlosen Himmel.



 
Es wurde langsam Abend und wir sollten bald unser Hostel erreichen, von dem wir schon so manche Schauergeschichte gehört haben. Kein Klo, keine Dusche, kein heiß Wasser, extrem kalt, etc.
Das Hostel mitten in der Pampa stellte sich in Anbetracht der Erzählungen eigentlich als ganz passabel heraus. Es gab zwar keine Duschen aber dafür WCs und heiß Wasser für Tee gab es auch. Zu unserer großen Freude gab es am Abend sogar einen kleinen Ofen (den ersten den wir bisher gesehen haben), den sie mit kleinen Wurzelstücken beheizten.
Die Nacht war wie immer kalt, aber das waren wir ja bereits gewöhnt. Draußen herrschten Minusgrade, in den Zimmern hatten wir immerhin knapp über Null Grad.


Geysire, heiße Quellen und eindrucksvolle Felsen

Schwefelhaltiger Rauch bei den Geysiren
Annika: An unserem letzten Tag mussten wir um halb 5 Uhr aufstehen, um gleich nach dem Frühstück zu den Geysiren zu fahren. Bei Sonnenaufgang erreichten wir die Geysire, von denen wir einen aus nächster Nähe betrachten konnten. Trotz des starken Schwefelgeruchs trauten wir uns sogar durch diesen heißen Dampf zu springen.
Da die Geysire auf knapp 5000 Metern zu sehen sind, war es extrem kalt und wir waren froh bald weiterfahren zu können, wenn auch die Heizung im Auto nicht richtig funktionierte.

Wir fuhren zu einer heißen Quelle, wo man in einem Becken baden konnte. Dieses Angebot nahmen Andi und Grandpere in Anspruch, Beate und ich wärmten unsere Füße in dem herrlich heißen Wasser auf. Anschließend trennten wir uns von den immer fröhlich aufgelegten Parisern Pierre und Floriane, die nach Chile weiterreisten, um mit Grandpere und unserem Guide noch ein paar Ziele aufzusuchen. Wir konnten auf dem Rückweg die Laguna Colorada nochmals bestaunen.
Omar fuhr mit uns zu bizzaren Felsformationen aus erstarrter Lava und zu einem Canyon, wo wir eine ausgezeichnete Sicht auf den sich durch das Tal schlängelnden, grünen Fluss hatten.
Wir waren alle schon recht müde, aber unser Grandpere plauderte munter in einem Gemisch aus Englisch, Französisch und Deutsch vor sich hin. Er versicherte uns, dass er im nächsten Urlaub nur noch am Strand liegen wollte, und dass wir ihn unbedingt in Paris besuchen müssen.




Die Tour in und um die Salar de Uyuni war wirklich sehr schön und lohnenswert, aber auch kräftezehrend. Die wunderbare Landschaft hat aber die Kälte und sonstige Mühen, die wir in dieser Höhe hatten, echt wett gemacht! Wir sind dankbar für die Zeit mit unserer Freundin Beate, die zwei Weltreisende aushalten musste, und auch dafür, dass wir (und der Jeep) die Tour gut überstanden haben. Andi und ich erholen uns jetzt erstmal in einem netten Hostel! – Bolivianischer „Wellnessurlaub“ :)

Mehr Fotos gibt es in unserem Album zu sehen:

faszinierende, erstarrte Lavaformationen